Tagung: Tourismus und Nachhaltigkeit - Herausforderungen und Perspektiven für Südtirol

Tourismus und Nachhaltigkeit, ein immer aktuelleres Thema. Welches sind die Herausforderungen und Perspektiven für Südtirol? Diese Frage wurde auf einer Tagung beantwortet, die am 4. Mai vom AGB/CGIL und der Fachgewerkschaft für den Tourismus, LHFD/FILCAMS, in der EURAC Research in Bozen organisiert wurde.

Die Tagung diente zur Bestandsaufnahme der Bedingungen und Perspektiven des Tourismussektors in Südtirol. Es handelte sich um ein sehr aktuelles Thema, und es war kein Zufall, dass unter anderem auch die Fälle des touristischen Hotspots am Pragser Wildsee und des Megakonzerts von Vasco Rossi in Trient während der Initiative erwähnt wurden.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Cristina Masera, Generalsekretärin des AGB/CGIL.

Beim Gespräch am runden Tisch, moderiert vom Chefredakteur der Tageszeitung Alto Adige, Alberto Faustini, mit dem Thema „Nachhaltige Tourismus in unserer Provinz“, brachte Michl Costa die Sichtweise eines äußerst engagierten Hoteliers zum Thema Nachhaltigkeit ein. Costa sprach über die Zukunftsperspektiven, da mit dem Eintreffen der PNNR-Mittel ein tiefgreifendes Nachdenken erforderlich ist. Der Hotelier sprach dann von der Notwendigkeit, „nicht nur Gastfreundschaft, sondern auch ein Willkommen“ zu bieten.

Andreas Schatzer, Präsident des Gemeindeverbands, nahm ebenfalls an der Diskussion teil und betonte die Notwendigkeit, dass die Gemeinden die Führung bei der Wiederbelebung des Tourismus im Zeichen der Nachhaltigkeit übernehmen müssen, "als eine partizipative Möglichkeit, bei der sich nicht nur Bürgermeister, Landesräte und Stadträte treffen, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger mitwirken können".

Die nationale Sekretärin der Filcams Cgil, Maria Grazia Gabrielli, ging ihrerseits von der Notwendigkeit aus, Arbeitsplätze zu sichern. Die Gewerkschaft forderte ein neues Tourismusmodell, das „nachhaltig und integrativ ist und sich durch stabile und menschenwürdige Arbeitsplätze und Umweltschutz auszeichnet“. Als kritische Punkte für den Tourismus und die mit ihm verbundenen Wirtschaftszweige nannte die Sekretärin eine „starke Fragmentierung, befristete Verträge, irreguläre und prekäre Arbeit“. Linda Osti von der Universität Bozen und Harald Pechlaner von Eurac Research sprachen als Experten am Tisch. Linda Osti kündigte an, dass im Oktober ein neuer Masterstudiengang für Tourismusmanagement beginnen wird, bei dem die Nachhaltigkeit ein wesentlicher Bestandteil des Studiums sein wird. Die Forscherin sprach dann über die Schwierigkeiten bei der Personalsuche in diesem Sektor und erzählte, wie sie vom HGV kontaktiert wurde, um gemeinsam eine Strategie zu finden. Harald Pechlaner sprach über die soziale Nachhaltigkeit des Tourismus angesichts zunehmender wirtschaftlicher Ungleichheiten. Er sagte, dass wir die Art und Weise, wie wir Tourismus anbieten, ausbalancieren müssen, mit Angeboten für alle sozialen Gruppen und einer Erhöhung der Vielfalt des Angebots.

Am Nachmittag wurden mit Elide Mussner (Gadertal), Kurt Sagmeister (IDM Südtirol) und Kurt Resch (Steineggerhof) drei konkrete Beispiele für nachhaltigen Tourismus vorgestellt. Am Gespräch am runden Tisch zum Thema „Qualitätsarbeit im nachhaltigen Tourismus“, moderiert vom Direktor der Südtiroler Wirtschaftszeitung Christian Pfeifer, nahmen dann auch der für Tourismus zuständigen Landesrat Arnold Schuler und der Präsidenten des Hotel- und Gastgewerbeverbandes (HGV) Manfred Pinzger teil.

Dabei wurde als Hauptproblem die Schwierigkeit genannt, Arbeitskräfte in einem Sektor zu finden, der durch eine hohe Saisonabhängigkeit gekennzeichnet ist. Landesrat Schuler nannte das soziale Bürgereinkommen als mögliche Ursache für dieses Problem. In dieser Hinsicht teilte Pinzger teilweise die Position von Schuler. Seinerseits erklärte er, dass das Bürgereinkommen Instrument sei, „das überdacht, aber nicht abgeschafft werden muss“. Gabrielli hingegen bezeichnete das Bürgereinkommen als eine „Notwendigkeit, da die Verteidigung derjenigen, die in finanziellen Schwierigkeiten sind, unabdingbar ist“. Pinzger zufolge sind die Probleme des Sektors auf lokaler Ebene auch auf die hohen Lebenshaltungskosten und die hohen Wohnkosten zurückzuführen. Nach Ansicht von Gabrielli darf menschenwürdige Arbeit keine Utopie sein: „Qualität im Tourismus bedeutet auch Qualität der Arbeit und Respekt für die Arbeitnehmer". Auf die Frage, ob es strategisch sinnvoll sei, in Zukunft auf den Luxustourismus zu setzen, schloss Landesrat Schuler ein Tourismusmodell, das ausschließlich aus Fünf-Sterne-Hotels besteht, aus. Der Landesrat zeigte sich überzeugt, dass die Zukunft in der „Diversifizierung des touristischen Angebots“ liegt. Eine Strategie, die dem Sektor einen Mehrwert bringen könnte.