Mobilisierung wegen fehlenden Kollektivvertrags der Reinigungsunternehmen

Die Gewerkschaften mobilisieren den Reinigungssektor: Dies wurde bei der einheitlichen Delegiertenversammlung beschlossen, die in Form einer Videokonferenz der Gewerkschaftsvertreter/innen aller Regionen Italiens abgehalten wurde, um der Forderung nach Erneuerung des Kollektivvertrages Nachdruck zu verleihen. In Südtirol arbeiten in diesem Sektor mehr als 4.000 Personen. In den nächsten Tagen wird das weitere Vorgehen auf lokaler Ebene festgelegt.

Seit sieben Jahren steht die Erneuerung des Kollektivvertrages aus. Gerade während des Covid-Notstandes sind die Beschäftigten der Unternehmen, die im Auftrag öffentlicher und privater Einrichtungen Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten ausführen, unverzichtbar geworden im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. Wie von den Gewerkschaften betont wurde, hätte mit der Vertragserneuerung den Arbeitnehmer/innen die gebührende Anerkennung für ihre Leistung gegeben werden können. Leider ist auch die letzte Verhandlungsrunde am 2. Oktober aufgrund der inakzeptablen Haltung der Arbeitgeberverbände geplatzt.
In den Anwendungsbereich dieses Kollektivvertrages fallen wesentliche Dienstleistungen: Reinigung, Desinfektion, Logistik und Portiersdienste in Krankenhäusern, Seniorenheimen, Schulen, Kindergärten, Gerichten, Büros, Banken, Postämtern und Kasernen.

Für die Gewerkschaften handelt es sich bei den Beschäftigten um „unsichtbare Arbeitnehmer/innen“, die auch in Südtirol während der Pandemie unverzichtbare Arbeit geleistet haben, ohne dafür von öffentlicher Seite irgendeine finanzielle Anerkennung erhalten zu haben.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Arbeitnehmer/innen bei jeder neuen Auftragsvergabe mit Einschnitten bei Rechten, Arbeitszeiten und Entlohnungen rechnen müssen. In den Ausschreibungen für die Vergabe der Dienstleistungsaufträge fehlen effiziente Sozialklauseln, welche Garantien für Arbeitsplätze und Entlohnung geben könnten. Zudem gibt es keine klaren Regeln, welcher Kollektivvertrag zur Anwendung kommen kann. Mit ein Grund, weshalb der Kollektivvertrag Reinigung/verschiedene Dienstleistungen bei unterschiedlichsten Dienstleistungsaufträgen zur Anwendung kommt, auch wenn es aufgrund der Tätigkeit ein anderer Kollektivvertrag sein müsste.
Die Fachgewerkschaften von ASGB, CGIL/AGB, SGBCISL und UIL-SGK hoben hervor, dass leider auch in unserem Land Aufträge nach dem Kriterium des größten Abschlags vergeben werden, mit gravierenden Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen: Es fehlt z.B. an Sicherheitsausrüstungen, und es ist auch schon vorgekommen, dass Arbeitnehmer/innen diese auf eigene Kosten beschaffen mussten.
Zu den lokalen Beispielen, die von den Gewerkschaftern erwähnt wurden, gehört eine Gruppe von Arbeitnehmern, die seit Jahren die hydrosanitären Anlagen des Krankenhauses Bozen warten. Während des Covid-Notstandes haben sie dafür gesorgt, dass die Triage funktionierte. Nun, nach einem Wechsel des Auftragnehmers, sehen sie sich mit Einschnitten bei ihren Rechten und Einbußen bei ihren Entlohnungen konfrontiert. Schätzungsweise 15% werden sie in Zukunft weniger verdienen, und einige dieser Beschäftigten sehen sich bereits nach einer neuen Arbeit um, was auch auf Kosten der Qualität des Dienstes geht.
“Es braucht unbedingt einen Kollektivvertrag, der wirksame Sozialklauseln vorsieht. Es braucht verlässliche Regeln, Transparenz und Legalität“, so abschließend die Vertreter/innen von ASGB, CGIL/AGB, SGBCISL und UIL-SGK.