Christine Pichler : "Riders, Nein zu diesem Vertrag"

"Der nationale Vertrag, der in den letzten Tagen von Assodelivery und Ugl (autonome Gewerkschaft) unterzeichnet wurde, ist ein Abkommen von zweifelhafter Legitimität, das die Bedingungen für die Rider nicht verbessert, sondern verschlechtert". Dies ist der Standpunkt der Gewerkschaftsdachverbände, die morgen mit der Arbeitsministerin Nunzia Catalfo am offenen Tisch des Ministeriums über diesem Thema diskutieren werden.

"Obwohl in unserer Provinz die Anzahl der Radfahrer, die in der Hauszustellung tätig sind, nicht jene in den Großstädten sind, stellen diese Arbeiter auch in Südtirol eine äußerst prekäre Kategorie dar, vor allem in sozialer Hinsicht. Es handelt hauptsächlich um ausländische Arbeitnehmer, die um den Eintritt in die Arbeitswelt kämpfen" sagt Christine Pichler, Generalsekretärin der Fachgewerkschaft, die sich im AGB/CGIL um die Arbeiter mit neuen atypischen Arbeitsverhältnissen kümmert, zu denen auch die Fahrer gehören -
"Die Vereinbarung, die in den letzten Tagen von Assodelivery und Ugl unterzeichnet wurde, ist inakzeptabel – so Pichler - es handelt sich um einen Vertrag, in dem das Akkordzahlungssystem bestätigt wird. Nur durch die Zahlung eines Stundenlohns wird die Vergütung des Fahrers auch bei fehlenden Aufträgen gewährleistet. Die künftige Entlohnung ist deutlich niedriger als jene, die derzeit von den großen Unternehmen des Sektors gezahlt werden. Im Hinsicht auf die Arbeitssicherheit wird eine untragbare Regelung festlegt: der verwendete Helm wird erst nach 4000 Auslieferungen gewechselt, die Warnweste nach 1500".

Christine Pichler zeichnet ein Bild der Situation in Südtirol: "Die auf lokaler Ebene durchgeführten Umfragen belegen, dass sich die Konsumgewohnheiten sich ändern und der Trend bei den Mitarbeitern von Online-Plattformen schnell und stetig wächst. Bereits vor der Pandemie hatte Deliveroo in Bozen im Jahr 2019 einen Auftragszuwachs von +272% verzeichnet. Der Covid-Notstand hat zu einem Digitalisierungsschub geführt: 41% der Südtiroler geben an, online einzukaufen, während mehr als die Hälfte der Südtiroler angibt, seltener in Restaurants, Pizzerien und Bars zu gehen als früher. Dies hat zu einem raschen und exponentiellen Anstieg der Zahl der Fahrer geführt, die heute Gefahr laufen, sich den "Paradoxien" der durch den Covid-19-Notstand verursachten Wirtschaftskrise zu stellen: in erster Linie haben die wichtigsten multinationalen Unternehmen, die sich mit der Lieferung von Lebensmitteln befassen, dank der Abriegelung die "Gelegenheit" erhalten, ihr Potenzial zu entwickeln, ihren Umsatz deutlich zu steigern und neue Märkte zu erobern. Leider sind die Rider weiterhin eine Art von Arbeitskräften, die zunehmend ausgebeutet werden, ohne dass sich jemand um ihre soziale Sicherheit sorgt".